Mitten im Herzen der Ribeira Sacra, umgeben von Eichen- und Kastanienwäldern, erreichen wir den Parador de Santo Estevo, ein ehemaliges Benediktinerkloster, dem es bis heute gelingt, absolute Stille zu schaffen. Zwischen seinen steinernen Kreuzgängen, wo jahrhundertelang Gebet, Studium und Kontemplation nebeneinander existierten, befinden sich Räume, die mehr als nur eine Geschichte bewahren. Und keiner erzählt diese besser als das Zimmer 210, bekannt als das „Abad-Franquila-Zimmer“.

Das Zimmer des ersten Abtes
Das Zimmer 210 befindet sich im obersten Teil des Klosters und ist nach Franquila benannt, dem ersten Abt von Santo Estevo. Er war es, der dem Kloster neues Leben einhauchte, als König Ordoño II. ihm im Jahr 921 dessen Restaurierung anvertraute. Dieser Impuls markierte den Beginn einer Blütezeit, die diesen Winkel der Ribeira Sacra zu einem der großen spirituellen Zentren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel machte.

Heute, mehr als ein Jahrtausend später, ist das nach ihm benannte Zimmer nach wie vor das einzigartigste des Paradors. Seine privilegierte Lage macht es zu einem wahren Aussichtspunkt über die Landschaft der Ribeira Sacra. Von seinen drei großen Fenstern aus verliert sich der Blick zwischen der Schlucht des Sil und dem Wald, der das alte Kloster umgibt – eine Kulisse, die mit jeder Jahreszeit ihre Farben wechselt.
Das Zimmer, das geräumigste des Paradors, verfügt über einen separaten Empfangsbereich, ein großes Schlafzimmer und ein spektakuläres Badezimmer mit Whirlpool, das das Gefühl des Wohlbefindens, das das gesamte Kloster umgibt, noch verstärken soll. Jedes Detail lädt zum Entspannen ein, während der Kontrast zwischen dem jahrhundertealten Stein des Gebäudes und der zeitgenössischen Innenausstattung dem Zimmer eine einzigartige Persönlichkeit verleiht.

Das Zimmer „Abad Franquila“ ist weit mehr als nur das beste Zimmer des Paradors – es ist ein privilegierter Aussichtspunkt, von dem aus man die Ribeira Sacra bewundern kann. Ein Ort, an dem die Geschichte durch das Fenster hereinschaut und die Landschaft Teil des Reiseerlebnisses wird.
Ein Kloster zwischen Legenden und Natur
Der Charme des Parador de Santo Estevo geht weit über ein einzelnes Zimmer hinaus. Das Gebäude gilt als eine der bedeutendsten Klosteranlagen Galiciens und vereint Jahrhunderte der Geschichte in einem Rundgang, der von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance reicht. Seine drei unterschiedlichen Kreuzgänge spiegeln die architektonische Entwicklung des Klosters wider und machen den Spaziergang durch seine Galerien zu einer Reise durch fast tausend Jahre Geschichte.

Innerhalb seiner Mauern lebt auch eine der faszinierendsten Legenden der Ribeira Sacra weiter: die der neun heiligen Bischöfe, die dieses Kloster als Rückzugsort wählten und deren Bischofsringe jahrhundertelang die Verehrung der Pilger nährten. Eine Tradition, die wieder an Bedeutung gewann, als im Jahr 2020 vier dieser alten Ringe in den Reliquienschreinen der Kirche auftauchten.
Heute hat das ehemalige Kloster eine neue Art gefunden, Reisende willkommen zu heißen. Die ehemaligen Mönchszellen sind zu hellen und komfortablen Zimmern umgestaltet worden, die mittelalterlichen Keller beherbergen ein Spa, das ganz auf Erholung ausgerichtet ist, und das Restaurant „Dos Abades“, das sich in den ehemaligen Stallungen befindet, lädt dazu ein, die galicische Küche unter einem beeindruckenden Steingewölbe zu entdecken.

Doch Santo Estevo ist auch der ideale Ausgangspunkt, um die Ribeira Sacra zu entdecken. Von hier aus starten Wanderwege durch jahrhundertealte Wälder, Bootsfahrten durch die Schlucht des Sil und Besichtigungen einiger Weingüter, die den heldenhaften Weinbau der Region pflegen. Eine Landschaft, in der Natur, Kulturerbe und Tradition ein einzigartiges Ganzes bilden.
Das Zimmer „Abad Franquila“ verkörpert diese Essenz besser als jedes andere. Nicht nur wegen seiner Aussicht oder seiner Geräumigkeit, sondern weil es den Geist eines Ortes verkörpert, an dem man die Geschichte vom Fenster aus betrachten kann und die Erholung eine ganz neue Bedeutung erhält. Ein Ort, von dem aus man die Ribeira Sacra mit derselben Gelassenheit entdecken kann, mit der dies vor mehr als tausend Jahren der erste Abt von Santo Estevo tat.