Die Finalistin des letzten Premio Planeta, Ángela Banzas, hat einen Roman geschrieben, der angesichts so vieler trostloser Nachrichten eine Wohltat ist. Cuando el viento hable, der in dem Gebäude spielt, in dem sich heute das Parador de los Reyes Católicos befindet – bis 1954 ein Krankenhaus –, erkundet die Kraft der Vorstellungskraft angesichts des Grauens und die Liebe als letzte Hoffnung. Die tröstliche Schlussfolgerung, die sie daraus zieht, ist klar: Eine großartige Geschichte kann uns immer das Leben retten.
Finalistin des Planeta-Preises zu sein, ist für eine Autorin ein enormer Imuls. Sehen Sie das als Bestätigung Ihrer Karriere?
Das möchte ich gerne glauben. Es ist eine unglaubliche Plattform, um mich bekannt zu machen und mehr Leser zu erreichen, die sich diesem Werk nähern und, wenn es ihnen gefällt, auch meine anderen Geschichten entdecken können.
Cuando el viento hable spielt im Galicien der Nachkriegszeit. Was bedeutet Ihnen als Galicierin Ihre Heimat, wenn es darum geht, Geschichten zu schreiben?
Meine Geschichten spielen immer in Galicien, weil meine Gefühle eng mit meiner Heimat verbunden sind. Ich arbeite an Geschichten mit einer tiefen psychologischen und emotionalen Entwicklung. Das funktioniert nur durch meine Verwurzelung in Galicien. Außerdem trägt es sehr viel zur Atmosphäre bei. So kann ich der Leserschaft ein sinnliches Eintauchen in meine Heimat ermöglichen.

Ihr Roman entspringt einer eigenen Kindheitserfahrung: dem Aufenthalt in einem Krankenhaus. Wie erinnern Sie sich an diese so harte Lernerfahrung?
Es war etwas, das ich irgendwie durchleben musste. Ich erinnere mich sehr deutlich daran, wie schockierend es war, zu entdecken, dass Kinder sterben können. In meinem Fall war es ein Schreck, aber es gab andere Mädchen und Jugendliche, die nicht mein Glück hatten, sei es wegen einer tödlichen Diagnose oder weil sie ihr ganzes Leben lang im Krankenhaus lagen. Trotzdem waren sie weiterhin Kinder. Es war eine dieser schrecklichen Wahrheiten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.
Wie verwandelt sich diese Erfahrung in Literatur und nicht in ein Trauma?
Das war mein Ziel: eine Botschaft der Hoffnung zu vermitteln. Krankenhäuser gehören zu den Orten, an denen ich am meisten Hoffnung gefunden habe. Die einen kommen, die anderen gehen, aber alle warten mit dem Blick auf die Fenster gerichtet, als wäre das ein Versprechen für die Zukunft. Hoffnung, verstanden als eine Flamme in einer sehr langen Nacht, ist ein sehr schönes Wort. Das war die Botschaft, die ich vermitteln wollte: Nach der Dunkelheit bleibt diese Flamme bestehen.
Sie gehören zu den Menschen, die fest daran glauben, dass es am Ende immer wieder aufklart …
Ich halte mich für einen hoffnungsvollen Menschen. Das bedeutet nicht, dass ich optimistisch bin. Ich glaube, dass alles einen Sinn hat. Ich schaue aus dem Fenster, und wenn es regnet, genieße ich diesen Regen. In allem steckt eine Ordnung, verstanden als Antrieb und als Impuls.
Sie haben erzählt, dass Sie gerade in einem so rauen Kontext wie der Nachkriegszeit ein sehr leuchtendes Buch schreiben wollten. Wie haben Sie die Dunkelheit und den Optimismus in Einklang gebracht?
Hoffnung entsteht aus der Verzweiflung; anders ist sie nicht zu verstehen. Sie kann nicht im Licht entstehen. Ich wollte diesen Kontext bearbeiten, weil ich den Blick der individuellen und der kollektiven Erinnerung zeigen wollte, den Blick der historischen Epoche selbst.

Sie wechseln zwischen der Ich-Erzählung Ihrer Protagonistin Sofía und anderen, in der dritten Person erzählten Teilen.
Sofía bietet uns diesen emotionaleren Blick und lässt uns an ihrer Unschuld teilhaben. Gleichzeitig ist sie in ihren Beobachtungen sehr klar. Der in der dritten Person erzählte Teil, die Passagen von Daniel, bietet einen umfassenderen Blick, um die verschiedenen Handlungsstränge der Geschichte zu erklären.
Die Liebe spielt in Ihrem Roman eine sehr wichtige Rolle. Warum wollten Sie, dass sie so präsent und mit der Hoffnung verbunden ist?
Die Hoffnung sucht nach einem Sinn im Leben. Sie schenkt diesen blinden Glauben daran, dass das Leben einen Sinn hat. Ich finde diese Antwort in der Liebe: Sie ist es, die uns im menschlichen Sinne lebendig fühlen lässt. Sie ist der Motor, der uns beflügelt.
Brauchen wir heute mehr denn je gute Liebesgeschichten?
Wir haben schon immer gute Liebesgeschichten gebraucht. Jeder Moment der Geschichte leidet unter einem gewissen Mangel an Liebe und setzt dennoch weiterhin auf dieses Gefühl. Es stimmt, dass das Übel unserer Zeit die Isolation ist, die aus Überarbeitung oder dem Streben nach sozialem Wohlstand resultiert. Auch die Technologien helfen nicht: Sie bringen uns näher zusammen, trennen uns aber im tiefsten Sinne.
Sind wir noch immer geprägt von den Anstrengungen jener Generationen nach dem Bürgerkrieg?
Leider verblasst die Erinnerung bei den Jüngeren. Wenn man die Geschichte kennt, haben wir die Möglichkeit, bestimmte Fehler nicht zu wiederholen. Es ist gut, den Fokus darauf zu legen, die Wunden zu heilen und sie vernarben zu lassen. Dazu muss man wissen, wo sie sind, wo sie beginnen und wo sie enden.

Kann Literatur in so angespannten Zeiten wie diesen ein Zufluchtsort für die Leser sein?
Ich glaube tatsächlich, dass sie das ist. Ich verstehe Literatur als Flucht und Zuflucht. Sie ermöglicht es, tausend Leben zu leben, die man sonst nicht leben könnte. Es wird immer einen Satz geben, an den man sich klammern kann, und einen Ort, an den man mit den Gedanken reisen kann. Ich vertraue auf die Kraft der Literatur, sowohl auf ihren tiefsten Ebenen als auch als einfache Flucht.
Apropos gute Zufluchtsorte: Haben Sie einen Lieblings-Parador? Da Sie so galicisch sind, würde ich wetten, dass Sie einen in Galicien wählen …
Da dieser Roman im heutigen Parador de Santiago spielt, würde ich sagen, dass dies mein Favorit ist. Er war das Hospital Real, das die Katholischen Könige erbauten, um Pilger aufzunehmen. Ich kann allen nur empfehlen, ihn kennenzulernen!