Paradores-Region: Santillana del Mar
15 de Juni 2026

Man sagt, Santillana del Mar sei das Dorf der drei Lügen, denn es ist weder heilig, noch flach, noch liegt es am Meer. Doch es genügt nur einen Moment innezuhalten, um zu entdecken, dass dieser Spruch nicht ganz stimmt. Die Stadt ist mit der Heiligen Juliana verbunden, das Gelände ist nicht völlig flach, auch wenn die Hänge sanft sind, und die Gemeinde reicht über Ubiarco oder den Strand von Santa Justa tatsächlich bis an die kantabrische Küste. Vielleicht funktioniert Santillana del Mar gerade deshalb so gut, weil sich hinter einem der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städtchen Spaniens auch eine Gegend voller Wege, Steilküsten, Felsmalereien, romanischer Architektur und kleiner Ausflugsziele verbirgt.

 

Eine Stadt, die um ein Kloster herum entstanden ist

 

Die Ursprünge von Santillana del Mar reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück, als eine Gruppe von Mönchen mit den Reliquien einer Märtyrerin namens Juliana in diese Gegend kam. Um diese kleine Kapelle herum entstand ein mittelalterlicher Stadtkern, der sich schließlich zu einem der bedeutendsten historischen Komplexen Kantabriens entwickeln sollte.

Noch heute, Jahrhunderte später, hat die Stadt einen Großteil dieses Charakters bewahrt. Die Steinfassaden, die Wehrtürme, die Renaissancepaläste und die mit Wappen verzierten Herrschaftshäuser bilden ein Stadtbild, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, obwohl Santillana keineswegs ein Ort ist, in dem sich nichts bewegt. Ganz im Gegenteil: Es ist nach wie vor eines der wichtigsten kulturellen und touristischen Zentren im Norden der Iberischen Halbinsel.

 

Straßen, in denen man sich verlieren kann

 

Am besten entdeckt man Santillana zu Fuß. Die Calle de Santo Domingo führt ins historische Herz der Stadt, wo sich auf der Plaza Mayor einige der markantesten Gebäude befinden, wie der Torre del Merino oder der Torre de Don Borja, zwei der ältesten zivilen Bauwerke des Ortes. Ganz in der Nähe befinden sich auch alte Adelshäuser, mit Blumen geschmückte Balkone und Fassaden voller Wappen, die an die historische Bedeutung der Adelsfamilien in dieser Gegend Kantabriens erinnern.

 

Die Stiftskirche Santa Juliana, der Ursprung von allem

 

In Santillana führt fast alles zur Stiftskirche Santa Juliana. Nicht nur, weil sie das symbolträchtigste Gebäude der Stadt ist, sondern auch, weil sich um sie herum die Geschichte der Gemeinde zu entwickeln begann.

Die heutige Stiftskirche, die zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erbaut wurde, ist eines der besten Beispiele für die romanische Kunst in Kantabrien. Ihr Kreuzgang mit Kapitellen, die mit religiösen Szenen, Fabelwesen und Pflanzenmotiven verziert sind, fasst einen Großteil der mittelalterlichen Ikonografie jener Zeit zusammen.

Im Inneren befindet sich zudem ein bedeutender Hauptaltar, der den Übergang zwischen Gotik und Platereskstil darstellt, sowie weitere Elemente, die helfen, die Bedeutung Santillanas auf der Nordroute des Jakobswegs zu verstehen.

 

Altamira und die Kunst, die die Geschichte veränderte

 

Nur wenige Kilometer vom historischen Zentrum entfernt befindet sich einer der großen Kulturschätze des Landes, der allen als die Höhle von Altamira bekannt ist.

Die hier Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Höhlenmalereien revolutionierten das Verständnis der prähistorischen Kunst. Die berühmten vielfarbigen Bisons, die vor Tausenden von Jahren unter Ausnutzung der natürlichen Reliefs des Felsens entstanden, sind nach wie vor eine internationale Referenz.

Obwohl die ursprüngliche Höhle aus konservatorischen Gründen geschlossen bleibt, ermöglicht das Museum von Altamira einen Einblick in diese Welt durch die „Neocueva“, eine äußerst präzise Nachbildung, die dabei hilft, die künstlerische und technische Größe des Originals zu begreifen.

Über die archäologische Bedeutung hinaus dient der Besuch auch dazu, sich des enormen kulturellen Reichtums bewusst zu werden, der Santillana del Mar umgibt.

 

Auch das Kantabrische Meer gehört zu Santillana

 

Eine weitere Überraschung der Gemeinde offenbart sich, wenn man die Altstadt verlässt und sich der Küste nähert. Denn wie bereits erwähnt, hat Santillana Meer.

Der Strand von Santa Justa in Ubiarco ist wahrscheinlich einer der einzigartigsten Orte der Gegend. Die kleine Kapelle, die direkt an der Steilküste erbaut wurde, und die schroffe Landschaft der kantabrischen Küste bilden eines jener Bilder, die man nur schwer vergessen kann.

Ganz in der Nähe bietet Onzapera ein völlig anderes Bild, wo die Ruhe, die natürlichen Wasserbecken und eine weitaus weniger bekannte Umgebung einen perfekten Kontrast zur Atmosphäre des mittelalterlichen Städtchens bilden.

 

Zwei Paradore, um Santillana neu zu entdecken

 

Santillana del Mar weist zudem eine Besonderheit innerhalb des Parador-Netzwerks auf, da es hier zwei Häuser gibt, die nur wenige Schritte voneinander entfernt liegen.

Der Parador de Santillana Gil Blas öffnete am 30. April nach einer umfassenden Renovierung der Einrichtungen und einer kompletten Neugestaltung wieder seine Türen. Er befindet sich in einem barocken Herrschaftshaus aus dem 17. Jahrhundert mitten auf dem Hauptplatz der Stadt, neben dem Torre del Merino und gegenüber dem Rathaus, und war zudem eines der ersten Häuser des Parador-Netzwerks, das 1946 eröffnet wurde. Zu den Neuheiten gehört eine für die Öffentlichkeit zugängliche Innenterrasse, die sich harmonisch in das historische Stadtbild einfügt.

Nur wenige Meter entfernt befindet sich der ehemalige Parador de Santillana del Mar, der seit Mai 2021 wegen einer umfassenden Renovierung geschlossen ist und in Kürze unter dem Namen Parador de Santillana Altamira wiedereröffnet wird. Die offizielle Wiedereröffnung findet am 5. Juni statt und ab dem 10. Juni 2026 werden dort wieder Gäste empfangen. Wer das Hotel bereits kannte, wird nun eine völlig verwandelte Einrichtung vorfinden.

Abgesehen von der Unterkunft sind beide Gebäude Teil der urbanen Landschaft Santillanas und fügen sich auf natürliche Weise in eine Stadt ein, in der Kulturerbe, Geschichte und Alltag stets miteinander verschmelzen.

 

Über die Ortschaft hinaus

 

Die Lage von Santillana ermöglicht es zudem, einige der interessantesten Orte Kantabriens in nur kurzer Zeit zu erkunden.

Comillas mit Gaudís „El Capricho“, dem Palacio de Sobrellano und seiner herrschaftlichen Architektur ist eines der beliebtesten Ausflugsziele. Einen Besuch wert sind auch der Mammutbaumwald von Cabezón de la Sal, die Steilküste von Bolao oder Dörfer wie Cartes und Riocorvo, wo Kantabrien noch viel geruhsamer ist.

In Richtung Küste bietet Suances eine ganz andere Atmosphäre, geprägt von Stränden und maritimem Flair.

Und für diejenigen, die Natur pur suchen, liegen der Naturpark Cabárceno oder die Picos de Europa nahe genug, um den Ausflug abzurunden.

Denn Santillana del Mar ist nicht nur ein Reiseziel, sondern auch ein Ausgangspunkt. Ein Ort, an dem Geschichte in jedem Winkel zu spüren ist, und immer noch etwas nur wenige Kilometer entfernt auf einen wartet.

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